August 2015 – Reise in den Osten vom 22.-24.8.15

Wer hätte das gedacht! Eine Gartenreise, bei der zwei völlig „ungärtnerische“ Worte eine tragende Rolle spielen: „Einschulung“ und „Umleitung“ – diese beiden Mitgestalterinnen schwebten über allem und knabberten (versuchten es zumindest) am Gelingen unserer Unternehmungen.

Wer weiß, wie die Sache sich entwickelt hätte, wenn unsere gut gelaunte, entspannte Reisegruppe mit weniger Humor gesegnet gewesen wäre....

 

Samstag, 22. 8. 15:

Nach reibungsloser Anfahrt hinderte unseren Bus ein böses kleines Verkehrsschild mit der Aufschrift „3,5 t“  daran, die nur noch 2 km entfernte erste Gartenbesichtigung zu genießen. Die vorbildliche Pünktlichkeit war dahin, erst nach einer Odyssee von Umleitungen und für den Bus kriminellen Steigungen und Kurven trafen wir an unserem ersten Ziel ein. Dr. Peter Lux, gärtnerisches Urgestein, empfing uns in Dresden-Hosterwitz – bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad - dennoch gelassen, kredenzte er eine köstliche Suppe und führte uns durch sein Reich. Gern wären wir noch länger geblieben und hätten seinen wissensgespickten Erzählungen gelauscht, aber die verlorene Zeit war nun einmal nicht zurückzuholen.

 

Für die zweite Station des Tages, das verträumt-verschlafene Landschlösschen Zuschendorf mit seinen berühmten botanischen Sammlungen und einer riesigen Hortensiensichtung mit Züchtungen aus aller Welt, war es schlicht nicht möglich, eine Führung zu organisieren, es sei doch „Einschulung!“, teilte man Sylvia Inderwiesen entrüstet schon bei der Reiseplanung mit. Auf das überaus festliche Begehen des neuen Lebensabschnitts der Kinder im Osten unseres Landes, sowohl in den Schulen als auch in den Familien, sollten wir noch mehrmals stoßen.

Das in der Region seit vielen Wochen herrschende glühend heiße Wüstenklima - ohne jede Niederschläge – hatten auch die hohe Sommertemperaturen gewöhnten Lausitzer Gärtner so noch nicht erlebt, der Klimawandel zeigt hier sein wenig willkommenes Gesicht. Besonders bei den Zuschendorfer Hortensien hat die gnadenlose Hitze traurige Spuren hinterlassen, die sonst um diese Jahreszeit strahlende Pracht war regelrecht verbrannt – und dies trotz regelmäßigen Wässerns. Einige Reisende entschlossen sich enttäuscht, vielleicht ein wenig vorschnell, im Landgasthof nebenan einzukehren. Der Zufall wollte es, dass ein seit Jahrzehnten im Park tätiger Gärtner uns spontan eine großartige Führung angedeihen ließ. Glück für die Ausharrenden! Dann hieß es, erneut auf „umgeleiteten“ Wegen, sich geduldig nach Bautzen und damit in unsere Quartiere aufzumachen.

Eines unserer charmanten kleinen Hotels, beide direkt in der pittoresken Altstadt von Bautzen gelegen, erbat unsere Ankunftszeit via Handy, damit die Wirtin, man ahnt es vielleicht, rechtzeitig von einer „Einschulungsfeier“ aufbrechen konnte, um uns zu empfangen.

Ein stimmungsvoller Abend in einem sorbischen Restaurant mit einem köstlichen Menü folgte. Wir erfuhren viel Interessantes über Sprache(n) und Geschichte, Kultur und Bräuche der kleinen sorbischen Minderheit und fühlten uns reichlich entschädigt für Wüstenhitze und Umleitungskrimis. Überhaupt durften wir erfahren, dass Freundlichkeit und Gastfreundschaft in dieser Gegend unseres Landes ganz groß geschrieben werden.

 

Sonntag, 23. 8. 15:

Am zweiten Tag der Reise lernten wir die atemberaubend schöne Altstadt von Görlitz kennen, die als das größte zusammenhängende Flächendenkmal Deutschlands gilt (nicht ohne auf der Hinfahrt mit einer Umleitung konfrontiert zu werden), auch hier sehr bereichert durch eine kenntnisreiche, individuelle Führung, die aufgrund des „Einschulungswochenendes“ fast nicht zustande gekommen wäre, sich dann aber spontan eben doch ergab. Ein Erlebnis, wir werden nicht das letzte Mal hier gewesen sein!

 

 

Die Weiterfahrt zum Barockschloss Neschwitz, durch dessen Park und Geschichte uns ein etwa 300 Jahre alter (so hat er jedenfalls behauptet) freundlicher „Junker“ mit einem sensationellen Hut anschaulich führte, war durch eine kleine Umleitung erschwert (kaum der Rede wert, ehrlich, wir konnten sogar richtig pünktlich sein). Unser Führer ließ die Geschichte dieses kleinen „Sommerlustschlosses“, ursprünglich für August den Starken und seinen Hofstaat erbaut, lebendig erstehen.

 

Wirklich nicht erwartet hatten wir, dass der dritte Anlaufpunkt des Tages dann ein so zauberhafter, vielgestaltiger, phantasievoller Ort sein würde! Ein Künstlergarten voller wunderbarer Ideen, die Persönlichkeit der herrlich liebenswert ver-rückten Künstlerin Ino Jänichen-Kucharska kongenial spiegelnd. Wir waren begeistert! Später schrieb sie uns, es sei so ein schöner „Gleichklang“ zwischen uns gewesen. Das trifft es gut.

Am zweiten Abend wurden uns köstliche Lausitzer Spezialitäten serviert, fröhlicher und genussvoller hätte der Tag nicht enden können.

 

Montag, 24.8.15:

Auf in den dritten, letzten Tag unserer Reise: Die pünktliche Ankunft  in der Staudengärtnerei Lux, unserem ersten Anlaufpunkt, verhinderte, Sie ahnen es, eine Umleitung. Ein Jammer, wertvolle Zeit ging dahin, sicher wären alle dort gern viel länger geblieben. Ein interessanter Vortrag des Besitzers Marko Thate, verheißungsvolle Staudenquartiere mit kräftigen, gesunden Pflanzen – natürlich wurden begeistert Staudenschätze zusammengetragen, der unvermeidliche Stau an der Kasse blieb nicht aus, die Zeit schritt indessen ungerührt voran.

 

Schloss und Park Pillnitz (auch dies ursprünglich ein reines Sommerlustschloss des lebenslustigen August des Starken, bis heute bei aller Pracht übrigens nicht beheizbar) mit seiner wunderbaren Kulisse und eine wartende Führerin mahnten längst zum Aufbruch. So ging es, verspätet angekommen, leider ein wenig eilig durch den Pillnitzer Park und das Schloss – für beider Schönheit man sich ein andermal Zeit und Ruhe zum Erkunden nehmen sollte. Schließlich kann man wiederkommen – was viele von uns sich ohnehin fest vorgenommen haben. Es gibt sogar die Möglichkeit, in Gebäuden direkt auf dem Pillnitzer Gelände als Feriengast zu wohnen, da kann dann ein tieferes Eintauchen in Geschichte, Park und Ambiente sicher gelingen.

 

 

Nach einer geradezu unsportlich kleinen Umleitung erreichten wir abschließend den zwei Hektar großen Botanischen Blindengarten für blinde und taubblinde Menschen in Radeberg bei Dresden. Nicht zuletzt die Führung des Obergärtners Marcel Soblik machte das für uns zum sicher bewegendsten Erlebnis dieser Reise. Die Größe und Schönheit der Anlage ließ viele staunen. Die Erschafferin Ruth Zacharias hat diese großartige späte Lebensleistung erst nach einem langen Berufsleben als Pfarrerin für taubblinde Menschen in Angriff genommen und leitet den Garten mit nunmehr 75 Jahren immer noch. Dass unsere Gesellschaft sie, die selbst im 10. Lebensjahr erblindete, für dieses seinesgleichen suchende Projekt mit unserem Alma de l’Aigle-Preis für Gartenkultur auszeichnete, hat nach der Begehung und Führung wohl jeder nachvollziehen können.

Auf der Rückfahrt fehlte uns fast etwas  – keine einzige Umleitung stellte sich in den Weg! Dafür bekamen wir zum Abschied auf halber Strecke einen sensationellen, unglaublich schönen Sonnenuntergang vor dramatischem Gewitterhimmel beschert – der sich dann, nach drei Reisetagen mit herrlichem Wetter, über uns schloss und den von der Natur herbeigesehnten Regen entließ.

 

 

 

Angelika Traub

 

 

 

 

Es ist immer ein kleines Wagnis für uns Organisatorinnen (die wir ja nun keine Reiseleiter-Profis sind), eine individuelle Reise zu planen, die alle glücklich machen und auf der möglichst wenig schief gehen soll. Vor allem, wenn man es mit sehr interessierten, kundigen Mitreisenden zu tun hat, die wir natürlich mit einem möglichst vielseitigen gartenkulturellen Programm zufriedenstellen wollen.

Ich glaube, das ist auch diesmal wieder gelungen, wie man an den vielen netten  Rückmeldungen erkennen kann.

 

Was aber sicher auch dazu beigetragen hat, dass diese Reise lange in Erinnerung bleiben wird, ist unsere liebenswerte, homogene Busgesellschaft, der nichts zu viel wurde, die sich nie beklagte und immer fröhlich und neugierig unterwegs war. Auch bei dieser Reise bewies Hery Lauer, der wie immer unseren geliebten Bus kutschierte, eine schier unendliche Geduld mit uns, denn auch die reichlich erworbenen Pflanzenraritäten mussten wie immer zwischen Koffern verstaut und transportiert werden.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Reise!

 

Sylvia Inderwiesen

 

Diese Kommentare unserer Reisegruppe wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

 

Inge und Nicodemo Weinstock:

....Ein Highlight war die besondere Führung durch die Stadt Görlitz.

Ganz besonders empfanden wir den Besuch des Gartens „Paradisino“. Die Künstlerin Ingeborg Jänichen–Kucharska ist so echt und hat ihren Charakter in die Gestaltung ihres Gartens eindrücklich einfließen lassen. Wir sahen mit ihren Augen die „Fenster“ die sich zu der wunderbaren romantischen Landschaft öffnen. Während des Besuches entstand eine heitere, gelassene´Stimmung. Frau Jänichen–Kucharska hat einen starken Eindruck hinterlassen.

Für uns war das zweite und auch ganz große Highlight der Besuch des Botanischen Blindengartens für Blinde und Taubblinde. Was wir dort erlebt haben, übertraf alle unsere Erwartungen: Die Einführung in die Tätigkeiten der Mitarbeiter war einfühlsam, so dass wir die Führung durch die Anlage mit all den Besonderheiten für Taubblinde als ganz große Bereicherung empfanden. Wir bewunderten die Vielfältigkeit angelegter Hochbeete, in denen die Taubblinden z.B. Wasserpflanzen – Seerosen - ertasten können – was sonst für sie fast unmöglich ist......

 

Kornelia und Hubert Müller:

Was erwarteten wir von einer Gartenreise?

Nette interessierte Menschen zum Thema Garten - schöne Gestaltungstipps - schöne Pflanzen - bekannte Orte

 

Was haben wir erlebt?

Phantastische Gärten mit hervorragenden Führungen

Total individuelle Unterkunft

Geheimnisvolle Gärten, in die wir nie gekommen wären

Neue Wege

Von Anfang an eine Herzlichkeit der Menschen in der Gesellschaft, als auch der Menschen im Osten, die wir kennenlernen durften.

Viele bleibende Eindrücke mit dem großen Wunsch, am liebsten mit allen

nochmals hinzufahren! ....

 

Mignon Walther:

Ich finde es immer wieder äußerst angenehm, wie unkompliziert und ohne Unstimmigkeiten diese Fahrten verlaufen. Es macht einfach Spaß und ist jedes Mal, sowohl von den Menschen, die man trifft, als auch von den Menschen, mit denen man reist, eine Bereicherung. Immer wieder gerne! Danke dafür!

 

Sabine Meyer-Hamme:

Wir sind verwöhnt, immer ein vielseitiges, botanisch-kulturelles Programm zu erleben. Dankbar bin ich für die außergewöhnlichen persönlichen Begegnungen in der Lausitz, sie haben mich nachhaltig beeindruckt.

 

Evamaria Vockenberg:

Ich möchte meine Bewunderung für diese wunderschöne Reise in den Osten aussprechen und stehe noch immer unter den erlebten Eindrücken, kann gar nicht recht sagen, was mir am besten gefallen hat.

Natürlich hat der besondere Garten der Künstlerin Ino Jänichen einen ganz großen Eindruck hinterlassen, so ein romantischer Traumgarten ist genau "meins", und ich durchwandere ihn in Gedanken immer wieder .

Die Görlitzer Stadtbesichtigung mit unserem besonderen Führer war auch ein Highlight, ebenso unser großartiges Quartier in Bautzen mit dem guten Frühstück in dem historischen Haus mit seiner gemütlichen wie historischen Einrichtung.

Die Besichtigung der Taubblindeneinrichtung war sehr bewegend.

Auch die mitfahrenden Gartenbegeisterten waren für mich eine wunderbare Gesellschaft.

 

Juliane und Harald Wagenführ:

Wir haben uns, wie  in den letzten Jahren, wieder sehr wohl gefühlt. Die Reise war ein voller Erfolg!

Ich denke, alle wissen, wie viel Arbeit hinter so einer Organisation steckt und schätzen das Engagement der Organisatorinnen sehr. Unsere Reisen sind immer eine Bereicherung!

 

Reinhard Jentsch und Lilo Klose:

Was für eine Reise in den fernen Osten Deutschlands:

Großartige Parkanlagen und intime Gärten voller Überraschungen, sowie als Besonderheit der eindrucksvolle Botanische Garten für Taubblinde und Städte von ungeahnter Schönheit!

Wir danken für die perfekte Planung und Durchführung dieser in jeder Hinsicht gelungenen Reise in die wohltuend gastfreundliche Lausitz! (und freuen uns auf kommende Reisen.....)

 

 

 

 

 

 

 

 

Juli 2015

Unser diesjähriges Sommerfest des Zweiges Mitte stand unter einem glücklichen Stern! Trotz hoher Temperaturen und zunehmender Schwüle konnten wir das Fest inklusive unserer diesjährigen ganz besonderen Programmeinlage ungestört und wohlbeschattet genießen: Wir konnten das weit über die Region hinaus bekannte Figuren-„Theater der Nacht aus Northeim dafür gewinnen, bei uns ein Gastspiel zu geben. „Frau Mond“ zauberte allerlei wunderliche und poetische Figuren und das „Märchen vom Silbermond“ aus ihrem riesigen runden Bauch. Die Rosen hatten die Höflichkeit, noch üppig zu blühen und ihren Duft über allem schweben zu lassen. Erst abends öffnete der Himmel seine Schleusen und sorgte so für einen etwas unsanften "Kehraus". Viele neue Gartenfreunde waren dabei und haben sich in unserer Mitte offensichtlich schnell zu Hause gefühlt. Ganz sicher werden wir auch nächstes Jahr wieder den Sommer "feiern", versprochen!

 

 

 

 

Juni 2015

 

Am 26. Juni 2015 fand der Workshop "Essbare Blüten" im Garten unseres Mitglieds Soumela Alrutz statt. Die Griechin lebt seit 40 Jahren in Deutschland und hat es in diesem Thema zu wahrer Meisterschaft gebracht. Die Teilnehmenden wurden höchst professionell in diese "Wissenschaft" eingeführt, durften gemeinsam mit Frau Alrutz verschiedenste, wunderschöne und offensichtlich auch köstliche Blüten ernten,  sie zusammen verarbeiten und anschließend genüßlich verspeisen. Wer nicht dabei war, bekommt hier einen kleinen Eindruck von der Vielfalt der Möglichkeiten:

 

 

 

 

Am 4. Juni 2015 reisten 25 Mitglieder des Zweiges Mitte mit ihrer Organisatorin Sabine Meyer-Hamme nach Hannover in den wunderbaren Berggarten, er befindet sich gleich gegenüber seines "großen Bruders", des Großen Gartens Herrenhausen. Bei allerschönstem Kaiserwetter war die Führung von Frau Prof. Seegert ein ganz besonderer Genuss. Frau Seegert hat alle begeistert: Ausgezeichnet, herzerfrischend und hochinteressant berichtete sie von ihrer Arbeit. Viele der Mitreisenden staunten, wie gut sich der Berggarten entwickelt hat (einige kannten ihn natürlich von vorherigen Besuchen).

Für die Pflanzenverwendung beider Gärten, also des Großen sowie des Berggartens zeichnet seit geraumer Zeit Frau Seegert verantwortlich und hat mit ihren über 100 Gärtnerinnen und Gärtnern wunderbare neue Bereiche geschaffen und vorhandene Pflanzungen behutsam überarbeitet.

 

Nach einem Mittagsimbiss unter freiem Himmel ging es weiter zur historischen Kleingartenanlage in Hannover-List, Herr Hennemann hat uns mit seinen 400 qm „geordneter Wildnis“ ein herrliches Kontrastprogramm geboten, in seinem Garten wirkt er zusammen mit seiner Frau ganz im Sinne Karl Foersters, Lebensraum soll hier für Mensch und Natur sein.

Phloxe, Bäume, Sträucher, Vogelschutz, Blütenpflanzen für Insekten, Wildbienen, Nisthilfen, Trockenmauern, Teichlandschaft und seine Erfahrung mit Terra Preta (ein Humussubstrat, auf das nicht wenige Gärtner schwören) waren seine Themen, die er so anschaulich wie temperamentvoll vortrug.

 

 

 

 

 

März 2015

Am 22.3.15 stellten uns Karin Wiedemann, Sprecherin des Zweiges Schleswig-Holstein, und ihre Vorgängerin im Amt, Marlis Ehlen in einem gemeinsamen Vortrag „Hermann Hesse als Gärtner“ vor. 

 

 

Der ausgezeichnete, alle Lebensstationen des Schriftstellers umfassende Vortrag der beiden Referentinnen und der schöne Raum, in dem wir ihn stattfinden lassen durften, sorgten für begeisterte Zuhörer und eine wunderbare Atmosphäre. Alle waren sich einig: Das war eine rundum gelungene Veranstaltung! Die Referentinnen vermochten es, Leben und Wirken des Nobelpreisträgers plastisch vor unseren Augen erstehen zu lassen. So manch eine(r) wird, inspiriert durch den Vortrag,  Hesse nun mit erweitertem Verständnis lesen.

 

 

Februar 2015 

 

Es war wieder einmal eine gelungene und stimmungsvolle Veranstaltung! Der sehr interessante und bilderreiche Vortrag zum Thema Hemerocallis-Züchtung von und mit Gudrun Tillmann-Budde im Veranstaltungsraum der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen wird vielen von uns nicht zuletzt durch die Pflanzen in Erinnerung bleiben, die wir aus den vielen mitgebrachten Samen  ziehen werden. Wer weiß, vielleicht blühen ja tatsächlich die ersten Sämlinge schon im nächsten Jahr. Wenn besonders schöne „Kinder“ dabei sind, würden sich  Frau Tillmann-Budde  freuen, Fotos zu erhalten. Sicher ist es einer der Gründe für die enorme Sortenvielfalt bei Taglilien, dass man so unkompliziert und schnell zu Kreuzungsergebnissen kommt. Und nachdem die Samentütchen ausnahmslos potentielle Kinder edelster Abstammung enthalten, kann man durchaus gespannt sein, was da für Küken schlüpfen. Wir freuen uns jedenfalls auf dieses kleine Experiment. Wer es nicht weiß: Die Vermehrung  von Tulpen ist zwar nicht komplizierter, aber ihre Sämlinge brauchen ganze sieben Jahre, bis die Speicherorgane so kräftig sind, dass eine erste schüchterne Blüte riskieren können, und die zeigt fast nie bereits ihre endgültige Farbe und Form. 

Da haben es die Hemerocallis-Züchter, Profis und Privatgärtner gleichermaßen, doch deutlich leichter, denn schon im Jahr nach der Aussaat darf man auf die ersten Blüten hoffen!

 

 

Januar 2015

 

"Mein Garten ist mein Herz“- die Geschichte des Gärtnerns in Deutschland

lautete der Titel des Vortrags und gleichnamigen Buches der Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Buchautorin Sabine Frank aus Jena, den sie uns am 30. Januar 2015 in Göttingen hielt. Trotz des offensichtlich eigens für diesen Tag "bestellten", nicht enden wollenden Schneegestöbers konnten wir fast 40 tapfere Mitglieder begrüßen, die sich von diesem massiven Wintereinbruch nicht abhalten ließen, ins Albrecht-von-Haller-Institut am Alten Botanischen Garten in Göttingen zu kommen. Und die Mutigen wurden belohnt:

Auf kundige und unterhaltsame Weise führte der historische Streifzug uns zu vielen wichtigen Orten der deutschen Gartengeschichte. Von den mittelalterlichen Klostergärten über die weltberühmten Parks von Wörlitz und Herrenhausen bis zu den Erwerbsgärtnereien und Kleingartenkolonien des 19. und 20. Jahrhunderts ging die illustre Reise. Von großen Gartenarchitekten wie Ludwig Sckell und Peter Joseph Lenné war die Rede, die Zeit der Pflanzenjäger war ebenso Thema wie naturverliebte Monarchen, Philosophen und Sozialreformer. Die Autorin spürte den Gärten in der deutschen Literatur ebenso nach wie dem Treiben von Pflanzensammlern. Aus spannenden Biografien und amüsanten Anekdoten, hochfliegenden Theorien und Meisterwerken der Kunst präsentierte sie uns so ein spannendes historisches Panorama. Ein schöner Start ins Jahr, den wir an einer großen Abendtafel gemeinsam mit unserer Referentin  ausklingen ließen.

 

 
 
 
Reise zum Hermmannshof nach Weinheim August 2014

 

Wieder einmal war es eine wunderbare Reise!  Für alle, die leider nicht dabei sein konnten, hier ein kleiner Bericht:

Wer meint, es ist vielleicht ein Fehler, gleich mit einem Tusch zu starten, wurde hier eines Besseren belehrt. Sylvia Inderwiesen und Sabine Meyer-Hamme haben die Reiseroute so klug und vielseitig geplant, dass eigentlich jede der angelaufenen Stationen einem "Highlight" gleichkam.

Der Hermannshof in Weinheim im Herbstflor - ein großer Genuss für jeden ambitionierten Gartenmenschen, die geradezu mediterrane Atmosphäre der pittoresken Altstadt tat ein Übriges. Die Führung im ganz in der Nähe gelegenen Exotenwald mit seinen 125 Baumarten und 50 Beständen fremdländischer Herkunft war ein Erlebnis ganz anderer Art. Diese dendrologische Kostbarkeit steht erholungssuchenden Bürgern ebenso offen wie fachlich Interessierten aus aller Welt. 

Was wären Reisebusse mit Gartenreisenden, die nicht an eine fahrende Gärtnerei erinnern! So auch hier. "Die Staudengärtnerei" in Affolterbach im Odenwald, geführt vom leitenden Gärtner des Hermannshofs Till Hofmann und seiner Frau Fine Molz, sorgte nicht nur für einhellige Begeisterung, sondern auch für Kisten und Kasten voller Pflanzen, die auf wundersame Weise wieder einmal alle durch Schieben, Drücken und umsichtiges Stauen unseres Busfahrers im Bus untergebracht werden konnten.

 

Der anschließend besuchte Apothekergarten in der originalgetreu restaurierten ehemaligen Benediktinerabtei Seligenstadt hat erneut, auf ganz andere Art, begeistert. Seit 1999 wieder hergestellt, ist er nicht nur perfekt gepflegt und von großer Schönheit, sondern zudem ein interessantes, sich seit Wiedereröffnung selbst tragendes Projekt, obwohl kein Eintritt erhoben wird. Lediglich die Entlohnung der Arbeitskräfte übernimmt das Land Hessen.