BsteNichts Schöneres für Gartenfreunde als den Winter im Lehnstuhl mit der Lektüre über Gärten und Gärtnern zu verbringen! Zur Vorbereitung auf die kommenden Vorträge - Gabriele Schabbel-Mader am 19. Januar und Prof. Dr. Norbert Kühn am 23. Februar, in denen es um Bäume, Sträucher und Stauden als Gestaltungselemente geht, lassen sich ganze Bibliotheken heranziehen. Meine Empfehlungen für das anregende winterliche Lesevergnügen sind ganz persönliche: Norbert Kühn, "Neue Staudenverwendung", Ulmer 2011, geht die Frage des Einsatzes von Stauden von Grund auf an, widmet sich der Klassifizierung, der Historie, ihren Lebensbereichen und ökologischer Verwendung und praktischen Gestaltungsfragen. Eine wunderbare Ergänzung zum Klassiker "Stauden" von Hansen/Stahl.

Die Geschichte der Pflanzenverwendung von der Renaissance bis in die Zeit der Reformgärten Anfang des 20. Jahrhunderts ist Gegenstand des umfangreichen Buches "Lustwald, Beet und Rosenhügel", das Clemens Alexander Wimmer mit vielen

Gestaltungsbeispielen und Pflanzenlisten versehen hat. Wer seinen Garten im Sinne historischer Überlieferung gestalten möchte, findet hier ebenso Anregungen wie historisch interessierte Gartenfreunde.

Mehr den praktischen Dingen verpflichtet ist Ursula Barths "Bäume und Sträucher - Verwandlungskünstler im Garten", DVA, 2004. Auf zahlreichen Fotos Christa Brands sind hier malerische Gartenszenen zusammengetragen, die anschaulich machen, wie aus kundiger Verwendung der Gehölze harmonische Bilder entstehen.

Einen anregenden Schlusspunkt soll Robin Lane Fox mit dem fein aufgemachten Buch "Der Englische Gärtner - Leben und Arbeiten im Garten", Klett-Cotta, 2018, setzen. "Gedankenvolles Gärtnern" sei zu seinem Glaubensbekanntnis geworden, schreibt er, denn "Gärtnern habe viel mit Denken zu tun". Seine Gedanken werden Leserin und Leser nicht immer gefallen, so wenn er die Arbeit im Garten für "dumpf und beschränkt" hält, wenn sie über moralische Zwecke definiert wird, die von anderen Interessen geleitet würden, wie z.B. der Erhaltung von Schmetterlingen. Es sei "unpraktisch und wirkungslos", lediglich mit organischen Methoden zu arbeiten, denn es gebe keinen "organischen Killer" mit dem man Ackerwinde oder Breitmailrüsslern wirksam zu Leibe rücken könne. Auch wer diese rigorosen Methoden nicht schätzt, wird von Robin Lane Fox unterhalten werden, der in Oxford Altertumswissenschaft lehrt, aber von Kind auf auch passionierter Gärtner ist. Seine Gartenkolumnen, die dem Buch zu Grunde liegen, erschienen über Jahre in der Financial Times. Noch heute befehligt Mr. Fox die Gärtner seines Oxforder College auf seine eigene robuste Art.

Schließlich ließe sich über den Winter noch Wolfgang Kehns Biographie des Gartentheoretikers und "Gartenrevolutionärs" Cay Lorenz Hirschfeld aus dem schleswig-holsteinischen Kirchnüchel lesen. Aber das lassen Sie besser, weil Sie sonst den Märzvortrag Wolfgang Kehns nicht besuchen würden....

Dezember 2019
Karin Wiedemann