tuschkasten berlin 2Herr Buschfeld, unser Guide, hatte die Bestellung nach oben etwas verspätet aufgegeben. Deshalb wurden wir zu Beginn der Führung einmal intensiv geduscht. Wir Gartenfreunde sehnen uns ja nach Wasser! Aber dann wurden seine Wünsche doch noch erfüllt. Wir konnten ohne Schirm die vielfältigen Fassaden und Gärtchen bestaunen.

Bruno Taut bekam 1912 den Auftrag von einer Wohnungsbaugenossenschaft, er sollte möglichst preiswert viele Wohnungen bauen. Die Gartenanlagen wurden von Ludwig Lesser gestaltet. Er entwarf von 1902 bis 1933 eine große Anzahl öffentlicher Anlagen in Berlin. Herr Buschfeld ist mit der Urenkelin von Lesser verheiratet. Deshalb hat er Zugriff auf viele Unterlagen aus der Zeit.

Ludwig Lesser war der erste freischaffende Gartenarchitekt in Deutschland. Familien und insbesondere Kinder sollten mehr Möglichkeiten haben, sich im Freien aufzuhalten. Er war auch Vorreiter der Idee des Volksparks und sozial sehr stark engagiert.

Die Idee war es Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer Gartenstadt dem profitorientierten Bau von Mietskasernen etwas entgegenzustellen. Um die Monotonie aufzuheben, verwendete Taut viele kleine Elemente: gotische Fenster, verschiedene Türtäfelungen, Zinndächer über der Haustür.

Taut spielte mit den Achsen von Straße und Platz. Dieses UNESCO Welterbe ist ein Zeugnis der Berliner Moderne.

Jedes Haus sollte eine eigene Farbe haben. Wir sehen ein intensiv leuchtend blaues Haus oder ein kariertes Haus. Eine heftige Diskussion entstand damals, als er sogar ein Haus schwarz mit etwas rosa streichen lies. Reihenhäuser und Solitäre: diese Siedlung erhielt ganz schnell den Namen Tuschkastensiedlung.

Zum Vergrößern die Fotos bitte anklicken!

 

Wir spazieren durch die Wirtschaftswege und genießen die üppig blühenden Gärten. Ach, diese Stockrosen! Die Gärten sind unterschiedlich groß und häufig auch versetzt angelegt. Die Gärtner identifizieren sich mit ihren Gärten, so entstehen schmucke Gartenzäune und farbenfrohe Gärten. Sie passen zu diesem fröhlichen Gebäudeensemble.

Die Bewohner sollten sich auch selbst versorgen. Dazu waren mindestens 200 qm Grundstück nötig. Die Hanglage eignete ich hervorragend für Gemüse, das von der Sonne besonders geküsst wird. Heute erleben wir vorwiegend Blumengärten.

Diese Gartenstadt sollte ein Gegenteil zu den Mietskasernen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass Bruno Taut besonders stolz auf seine Siedlung war.

Herr Buschfeld hat uns sehr professionell durch diese fröhliche Siedlung geführt. Er hat uns angeködert, dass er uns dann auch mal die Hufeisensiedlung erläutert.