Li 3 Pferde Weidelandschaft 1Am 26.07.2020 hatten wir zusammen mit dem botanischen Verein eine Führung in der Lichterfelder Weidelandschaft. Niemand wusste so richtig, was einen erwartet, oder besser gesagt, man wusste nicht, was einen erwartet. Umso überraschter waren die Mitglieder, als sie sahen, welches Kleinod sich hier auftat. Das Areal befindet sich auf der sogenannten "Parks Range", ein ehemaliger Übungsplatz der Amerikaner. Als diese Berlin verließen, wurde das Areal sich selbst überlassen, bis Frau Loba sich mit der Reitgemeinschaft "Holderhof" der ca. 100 ha großen Fläche annahm. Das Gelände wurde von Müll befreit, und Frau Loba sorgte mit den weidenden Pferden dafür, dass das Gelände nicht komplett zuwuchs. Auf dem Gelände handelt es sich um Spontanvegetation, d.h. es wurde nichts angepflanzt. Jetzt findet man wieder ca. 500 Pflanzenarten, 58 Brutvogelarten, 292 Arten Großschmetterlinge, Käfer, diverse Heuschreckenarten und über 264 Arten Wildbienen und Wespen, sowie 7 Amphibienarten.

 

Li 3 Pferde Weidelandschaft 3Als wir das Gelände betraten, kamen wir in eine blühende Landschaft, dies hatte, glaube ich, niemand so erwartet. Es war ein wahrhaftes Blumenmeer. Ackerwitwenblumen, wilde Möhren, wilde Flachsblumen, Rainfarn, Graukresse, Zichorie, Goldampfer, Steppensalbei, Oregano, diverse Moossorten, Sedum alba und Kratzbeeren säumten unseren Weg. Mit Herrn Machatzi vom botanischen Verein hatten wir einen Pflanzenexperten, der keine Frage nach dem unbekannten Gewächs offen ließ.

Frau Loba erklärte uns, wie die Beweidung des Areals stattfindet und welchen unermüdlichen Einsatz sie in diese Landschaft einbringt. So wird ein Teil der Fläche (die Randgebiete) auch durch sie mit der Handsichel gepflegt.

Die Beweidung findet wie folgt statt. Pro Pferd werden 2 ha beweidet. 1/3 wird im Sommer während der ganzen Vegetationszeit beweidet. Das 2/3 wird im Winter abgeweidet und das 3/3 bleibt für ein Jahr unbeweidet. Die Pferde bleiben das ganze Jahr draußen, ggf. wird im Winter noch zugefüttert. Die Beweidung wird entsprechend durch Zäune gelenkt. Während der Erklärungen hörte man einen Grünspecht und Goldammern hüpften auf der Wiese. Als wir auch mal querab vom Weg durch das Gelände streifen durften, sah man aufgeschreckte Heuschrecken und Schmetterlinge sowie auch das in Deutschland seltene Bergsandglöckchen.

Im Frühjahr gibt es ein Blütenmeer aus Moschusmalven, Wiesenmargariten. Jetzt sah man sie nur noch vereinzelt.

Li 3 Pferde Weidelandschaft 2Je mehr wir vom Gelände sahen um so mehr wuchs unsere Hochachtung über die Leistung, die Frau Loba hier seit gut 20 Jahren vollbringt und welcher Enthusiasmus dahintersteckt, um diese einzigartige Landschaft zu erhalten.

Man kann nur hoffen, dass dieses Areal erhalten bleibt, da 2012 ein großer Teil der Fläche an einen Investor ging. Dieser fängt jetzt mit einer ca. 4 ha großen Randbebauung an, hierzu werden die Amphibien, die sich an den Rändern niedergelassen haben, bereits umgesiedelt. Umweltverbände sind dabei, dass das Areal als Naturschutzgebiet erhalten bleibt. Das Gelände ist zurzeit nur im Rahmen von Führungen zu begehen.

Li 3 Pferde Weidelandschaft 4Für uns alle war es ein wunderschöner und lehrreicher Spaziergang, der uns auch Einiges über den Umgang mit Pferden näherbrachte, denn Frau Loba ist Tierärztin und gab nicht nur im Bezug auf Pflanzen und der Beweidung, sondern auch in Bezug zu den Pferden ihr Wissen weiter.

Wir kommen gerne wieder, um auch mal im Frühjahr das weiße Margaritenblütenmeer zu sehen.

Unser besonderer Dank gilt Fr. Loba und Herrn Machatzi für die hochinteressanten Einblicke.