Uebigau SchlossDie Sonne schien und wir fuhren hoffnungsfroh in den Süden von Brandenburg. In der Nähe von Torgau liegt Schloss Uebigau, es wurde vor ca. 150 Jahren mit dem Park angelegt. Heute können Jugendliche im Schloss übernachten.

Unser Führer, Klaus Manig, erbte die Schlossgärtnerei von seinem Großvater, er zog 1987 dort ein. Die Gärtnerei liegt direkt neben dem Park, in ihr können Sie viele, schöne Stauden kaufen. Klaus Manig ist studierter Pflanzenzüchter.  

Ein dichter Fichtenwald dominierte nach dem Mauerfall den Park. Klaus Manig und der Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann dürfen sich ehrenamtlich um die Anlage kümmern. Im Lennéschen Sinne wollten sie Sichtachsen schaffen und starteten deshalb eine Fällaktion. Die Anwohner wurden stinkig, als sie das sahen. Ist nicht jeder Baum wichtig? Die beiden Männer fällten immer am Freitagnachmittag. Der Bürgermeister war ab Montagmorgen immer zu sprechen. Er hielt ihnen immer den Rücken frei. Bis Montag hatten sich die meistens Anwohner wieder beruhigt.

 

SchlossgärtnereiKlaus Manig setzt leidenschaftlich jedes Jahr Schneeglöckchen um, damit sie sich noch weiter ausbreiten. Er ist ein kerniger Typ. Er kann im Park „machen“, was er möchte. Nur, als die Verwaltung ihm vorwarf, dass er (für den Park) Wasser verplempere, da überlegte er, ob er alles hinschmeißen sollte.

Wir stehen auf der Schlosstreppe und genießen einen weiten Blick auf die Wiesen. Herrn Engelmann empfahl den Blick von der Schlosstreppe über den Park (nur 250m) so zu erweitern, dass wir 800m weit sehen können. Es gibt keine Zäune und Grundstücksgrenzen.

Wir erfreuen uns an diesem Landschaftspark. Die Gestaltungselemente wie Sichtachsen, solitäre Bäume, Hügel und Teich, sie tragen dazu bei, dass wir uns wohl fühlen. Herr Manig errichtet z.B. einen Hügel, damit die Spaziergänger nicht immer eine Abkürzung über die Wiese nahmen.  Die n die „Wiesenlatscher“ werden energisch zurückgepfiffen.

 

 

 

Bild1Viele Tausend Schneeglöckchen begrüßen uns. Bis jetzt gibt es auch noch Blüteninseln, aber in einigen Jahren werden wir auf 2,5ha nur noch ein Glöckchenmeer sehen. An einer Stelle stehen die geschenkten Glöckchen aus Kanada, Dänemark, Frankreich usw. Exotische Sorten suchen wir vergebens. Klaus Manig möchte keinen Ärger mit den fanatischen Sammlern.

In der Gärtnerei bewundern wir die dekorativen Zinkgießkannen. Davon sind Klaus Manig ca. 200 Stück zu „geflogen“.

Der schönste Teil ist für mich in der Gärtnerei: Hunderte von Märzenbechern.  Hier lässt der Frühling auch noch sein blaues Band flattern: ein leuchtendes Feld mit Leberblümchen. Hagen Engelmann ist leidenschaftlicher Schneeglöckchen Sammler und Züchter. Die Exemplare, die er nicht „so toll findet“ schenkt er Klaus Manig. Auch für diese „B-Klasse“ findet Klaus Manig ein Plätzchen.
Chapeau, was für ein Ehrenamtler!

Saxdorf 1Dann fahren wir nach Saxdorf. Wir sind die ersten Besucher nach 2 Jahren Corona. Herzlich werden wir von Herrn Stabroth begrüßt. Endlich konnten wir auch als Mitglieder in größerer Runde mal wieder gemütlich zusammensitzen! Frau Stabroth umsorgte uns liebevoll mit Kaffee und Kuchen. Während wir uns aufwärmten, erzählte Herr Stabroth uns Vieles zur Umgebung und Entwicklung des Gartens. Auch hier erleben wir zwei sehr engagierte Ehrenamtler.

Der Saxdorfer Pfarrgarten wurde vor 50 Jahren von Pfarrer Zahn und Restaurator und Maler Bethke angelegt. Herr Bethke gestaltete besonders dieses Kunstwerk und bezog dazu insgesamt 7000 qm mit Haus und Kirche ein. Er legte auch in der hübschen Dorfkirche Fresken frei.

Saxdorf 2Wir flanieren durch diesen romantischen Garten. Die immergrünen, meterhohen Bambussorten sind besonders im Winter ein Hingucker. Die verschlungenen Pfade leiten uns durch die Gartenräume. 3000 verschiedenen Pflanzenarten und sogar ein selbst gezüchteter Mammutbaum fühlen sich hier wohl. Begrenzt werden die Wege von niedrigen Sandsteinriegeln. Diese haben die Beiden auf Müllkippen zu DDR - Zeiten gefunden. Skulpturen und Säule betonen treffsicher bestimmte Stellen.

Als wir im Juni da waren, erfüllte der Duft der Rosen die Räume. 200 Sorten beranken die Pavillons, klettern in Bäume und Sträucher.

Heute sehen wir einen ganz anderen Garten! Frühlingsblüher stehen meistens auf offenen Wiesen. Stattdessen schillern die Frühjahrsblüher auf der untersten Ebene überall durch die Rosen, Kamelien und Hibiskussträucher.  Ein Meer von Schneeglöckchen, Alpenveilchen und Märzenbechern. Der Seidelbast duftet und das gelbe Scharbockskraut harmoniert wunderbar mit den violetten Lenzrosen.

 

 

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So stelle ich mir einen Frühlingsgarten vor!
Ein zauberhafter Garten, kommen sie unbedingt zur Rosenblüte nochmal vorbei!

Viele Jahre war die Sorge der beiden Gestalter, wie es mit dem Garten weitergehen würde, wenn sie mal nicht mehr wären. Nun liegen sie beide direkt neben der Kirche mit Blick auf ihren Garten. Kann es einen schöneren Platz geben?