Kultur? Kultur!Was  verstehen wir unter Gartenkultur? Einen gepflegter Rasen, eine Auswahl besonderer Blumen, einen alten Baum und einen Gartenteich? Sind es die großen kunstvollen Anlagen der vergangenen Jahrhunderte, deren epochale Gestaltung über jeden Zweifel  steht? Und was ist mit den vielen kleinen Privatgärten? Dem öffentlichen Grün? Was sagen wir zum Spiel mit Form und Materialien der modernen Anlagen?

 

Gartenkultur ist, dem Wortsinn nach, erst einmal alles, was der Mensch auf einem abgegrenzten Stück Land tut. Er kann Gemüse anbauen, Thujahecken pflanzen oder unter einer Silbertanne eine Kolonie von Gartenzwergen gruppieren. 



20 JahreGutsgärten sind eine ganz eigene Gartenkultur, die sich fast nur im Norden Deutschlands finden lässt – historisch aus der Erbregelung gewachsen, die eine Teilung des Besitzes nicht zuließ. Formal lassen sich die Gärten nicht von den jeweiligen Gartenformen ihrer Entstehungszeit unterscheiden: Die Gutsbesitzer orientierten sich an den Zeitgeist. Und je nachdem, ob sich der Gutsbesitzer mehr als „Fürst“ oder mehr als „Bauer“ verstand, hat er seinen Garten mehr oder weniger prächtig ausgestattet. Zum Beispiel wurde einer der ältesten Gärten in Schleswig-Holstein (Wensin), der noch heute teilweise erhalten ist, von den v. Brockdorffs in der typischen Gartenform erstellt, die den Übergang von der Renaissance zum Barock kennzeichnet. 



20 Jahre

Kartoffeln, Kohl, Bohnen und Rettiche – diese Pflanzen sind für unsere Gesellschaft, deren Anliegen die Gartenkultur ist, nicht gerade naheliegend. Wir bewundern die Kunst, Parks zu gestalten und sind entzückt von einer perfekt angelegten Blumenrabatte. Und wo bleibt das Gemüse? In historischen Anlagen wurde der Küchengarten meist in den hinteren Teilen, hinter Hecken und Mauern versteckt. Viele Parks haben ihn aufgeben. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass selbst solch überwältigend schönen Potagers wie der Küchengarten des Königs in Versailles von den Reiseführern kaum erwähnt werden. 



20 JahreDie Gesellschaft ist in den besten Jahren - zwanzig Jahre! Ein guter Grund, diesem Jubiläum das Heft zu widmen. Und wir haben allen Grund zu feiern: Zuversichtlich können wir in die Zukunft sehen, jung und voller Energie. Für die Gesellschaft ist das keine Zeit, für den Menschen aber eine lange Wegstrecke. Anke Kuhbier hat diesen Weg von Beginn an mit Herz und Verstand, engagiert und inspirierend begleitet. In ihrem Artikel beschreibt sie die ersten Jahre, um daran zu erinnern, welche Motivation zur Gründung der Gesellschaft führte:  Die Liebe um die Gartenkunst, die Leidenschaft der Gärtnerin. Der Funke ist bis heute auf andere Mitglieder übergesprungen, die ehrenamtlich, neben Beruf und Familie (und ihrer Gartenarbeit) für das Wohl und Wachsen der Gesellschaft arbeiteten und arbeiten. Auch das blätterrauschen würde ohne das ehrenamtliche Engagement der Redaktion die Postkästen der Mitglieder nicht erreichen.



Hefte

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