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20180310 1603Schneeglöckchenfest Ostwestfalen – Samstag 9. März 2019 von 11 – 17 Uhr

Ort: Biologiezentrum Gut Bustedt, Gutsweg 35, 32120 Hiddenhausen, www.gutbustedt.de

Frühlingsgefühle für Gärtnerherzen

Die mittelalterliche Wasserburg Gut Bustedt bietet eine stimmungsvolle Kulisse für einen ostwestfälischen Gartenmarkt rund um das heiß begehrte Schneeglöckchen und andere Lieblingspflanzen. Das Schneeglöckchenfest entwickelt sich zu einer Insider-Adresse für besondere Gärtner und Gärtnereien und damit zu einem Treffpunkt für Gartenfreunde aus ganz Ostwestfalen. 

„Einen echten Schneeglöckchen-Fan erkennt man an seiner Haltung: Die Beine gespreizt und in den Boden gestemmt, den Oberkörper weit nach vorn gebeugt, nimmt er ein Schneeglöckchen aufmerksam unter die Lupe. Dafür schiebt er

die äußeren Blütenblätter vorsichtig mit dem Daumen gegen die inneren, um deren Zeichnung zu sehen“, wissen Schneeglöckchen-verrückte Gärtnerinnen wie Dineke Logtenberg und Rika van Delden aus den Niederlanden. Bereits zum 4. Mal reisen sie mit bis zu 100 verschiedenen Schneeglöckchen-Sorten zum Schneeglöckchenfest nach Ostwestfalen.

20180310 1577Der vorfrühlingshafte Gartenmarkt in Hiddenhausen auf Gut Bustedt richtet sich an alle, die wissen wollen, wie sie ihren ganzen Garten voller Schneeglöckchen bekommen, an unbedarfte Anfänger, die glauben, es gäbe nur eine Schneeglöckchensorte und an verzückte Gartenliebhaber, die in der angebotenen Pflanzenfülle Sorten entdecken, die noch in ihrer Sammlung fehlen. Mit dem Besuch der ersten Gartenmärkte ist die Winterdepression der meisten Gärtner und Gartenfreunde augenblicklich vorbei. Die ersten Stauden treiben aus, zahlreiche Winterblüher zeigen bereits ihre volle Pracht und die Gestaltungsideen für neue Pflanzkombinationen in Sommerblumenbeeten, Staudenrabatten oder Küchengärten nehmen beim gärtnerischen Austausch Form an. Unter den über 40 Ausstellern ist Kathy Portier aus Belgien mit ihrer Alpenpflanzen-Gärtnerei, der niederländische Farnspezialist Wouter van Driel mit historischen Sorten, Lars Bublitz aus Vlotho mit Gemüsesaatgut und Kartoffel-Raritäten, Peter Menzel von Blickfang: Alte Zeiten mit Gartengeräten oder Renate Brinkers aus dem Emsland mit winterharten Alpenveilchen.

Der Erlös des ehrenamtlich organisierten Marktes fließt in Gartenprojekte für Kinder und Jugendliche. Seit 2016 organisiert der Freundeskreis Schneeglöckchen mit Lisa und Lothar von Bargen, Veronika Wehmeier und Anja Birne den Gartenmarkt. Ziel ist die Förderung der Gartenkultur und des Naturschutzes in der Region, die Vernetzung von Gartenprofis und Amateuren, der Austausch von Pflanzen und Ideen, aber auch die Förderung von Artenvielfalt und nachhaltigen Projekten. Durch die Erlöse aus Eintrittsgeldern, Schneeglöckchen-Café sowie Standgebühren konnten bereits zahlreiche Schulprojekte wie Kistengärten an Grundschulen initiiert werden.

www.schneegloeckchen.eu

Text: Anja Birne

 

Blumen und Gemüse an der Wand - eine Ausstellung Botanischer Kunst in Gut Bustedt

Verena Redmann Stangenbohne Blauhilde Farbstiftzeichnung Verena Redmann 2012 kleinVerena Redmann Stangenbohne Blauhilde Ausschnitt Farbstiftzeichnung Verena Redmann 2012 kleinVerena Redmann Schneegloêckchen Farbstiftzeichnung Verena Redmann 2018 klein

 

(Zeichnungen: Verena Redmann)

Was macht die „Blaue Hilde“ an der Wand? Gehört eine Bohne nicht eigentlich auf den Teller? Nicht unbedingt. Es gibt Ausnahmen, wie die Bohne, die „Blaue Hilde“ heißt und die es in eine Kunstausstellung geschafft hat. Wie das kommt? Die Künstlerin Verena Redmann ist auf die Rarität aufmerksam geworden, hat zur Lupe gegriffen, um sich die Bohne genau anzusehen, Papier und Farbstifte bereit gelegt, und da die Pflanze dem kritischen Blick der Künstlerin standhielt, hat sie sie gezeichnet.

Das detailgenaue Abbilden einer Pflanze, ihrer Blüte oder ihrer Frucht ist ein langwieriger Prozess, der viel Geduld erfordert. Immer wieder muss die Künstlerin ganz genau hinschauen, um mit ihren Farbstiften auch wirklich jede Farbnuance auf dem Papier festzuhalten. Nicht selten braucht sie mehr als 20 Stifte für die Varianten einer Farbe und häufig bleibt von dem Malwerkzeug nicht viel übrig; die Stifte sind einfach aufgebraucht. Ist nach mehreren Wochen Arbeit das Bild endlich fertig, soll es den Betrachter erfreuen, und dazu gehört es an die Wand.

Am 9. März kann man im oberen Stockwerk von Gut Bustedt in Hiddenhausen eine ganze Reihe solch reizvoller botanischer Kunstwerke betrachten. Drei Künstlerinnen teilen sich den Platz an den Wänden: Neben den Farbstiftzeichnungen von Verena Redmann stellen Beate Reul-Knebel und Susanne Pfannkuche ihre Arbeiten aus.

Susanne Pfannkuche Scan Funkie Church Mouse

Susanne Pfannkuche Scan Rosa rugosa klein

 

 

 

(Zeichnungen: Susanne Pfannkuche)

 

 

 

 

 

Pfannkuche aus dem nahen Lübbeke liebt es klassisch. Sie legt Wert auf die möglichst naturalistische Darstellung ihrer Objekte. Amaryllis, Funkienblüten oder eine aufgeblühte Rosa rugosa - Susanne Pflannkuche malt am liebsten Blumen. Mit Aquarellmalerei hat sie angefangen, heute malt auch sie mit Farbstiften, denn, so sagt sie, mit dieser Technik könne sie noch die kleinsten Feinheiten in Form und Farbe einer Pflanze wiedergeben. Ist die Blattoberfläche glatt oder behaart? Da muss einfach alles stimmen von den Farben bis ins kleinste Pflanzendetail.

Beate Reul Knebel DSC9275 klein

Beate Reul Knebel DSC9358 klein

 

 

 

 (Zeichungen Beate Reul-Knebel)

 

 

 

Anders Beate Reul-Knebel. Sie nimmt sich gerne mal künstlerische Freiheiten heraus. Sie setzt kräftige Farben ein, und wenn Sie zum Beispiel ein orange-rotes Pfaffenhütchen an einem Zweig malt, dann schwingt dieser ganz leicht und elegant von links ins Bild. Das entspricht nicht unbedingt der in der Natur vorgefundenen Situation, sondern ist eine ganz bewusste Komposition, mit der die Künstlerin ihr Bild gestaltet. „Mein künstlerisches Interesse geht immer in Richtung Skulptur, Strukturen und Ordnungen“, sagt sie. Malt sie beispielsweise statt einer einzelnen Pflanze ein Ensemble von Blütenblättern oder Fruchtständen, dann präsentiert sie diese nicht so wie sie zu Boden gefallen oder durch die Luft gewirbelt sind, sondern in einer von ihr erdachten harmonischen Ordnung. Sie folgt ihrem ästhetischen Empfinden und nicht unbedingt der realen Vorlage.

Alle drei in Gut Bustedt ausstellenden Künstlerinnen haben ein Faible für die Natur. Verena Redmann baut alle Gemüse, die sie zeichnet in ihrem Garten an und beobachtet sie eine Vegetationsperiode lang, bevor sie zum Zeichenstift greift. Susanne Pfannkuche findet ihre Objekte in Gärten und auf Reisen, während Beate Reul-Knebel fündig wird, wenn sie durch Wald und Wiese streift, Die Schönheit einer Blüte oder eines blühenden Halms muss die Künstlerin ansprechen und sie anstiften, diese Schönheit mit dem Pinsel zu erforschen „Je länger ich mich mit Pflanzen beschäftige – von der Knospe bis zum verwelkten Stielchen“, sagt Reil-Knebel, „desto faszinierender finde ich es. Pflanzen sind aufregend und schön, sinnvoll schön!“

Das gilt auch für das unscheinbarste Pflänzchen. In dem die Künstlerinnen auch den ganz alltäglichen Gewächse ihre Aufmerksamkeit schenken und sie mit Liebe und Sorgfalt darstellen, verleihen sie ihnen eine besondere Wertschätzung. Sie führen uns die ungeheure Vielfalt der Pflanzenwelt vor Augen, um gleichzeitig auch die Bedrohung dieser Vielfalt anzuprangern. Wo findet man in der freien Natur denn noch Wildpflanzen wie Mohn- und Kornblume, oder die intensiv blaue Wegwarte? Verena Redmann zeichnet sehr oft vom Aussterben bedrohte Gemüsesorten wie das „Ulmer Ochsenhorn“ oder die „Blaue Hilde“. Sie möchte mit ihrer Kunst etwas gegen das Vergessen tun und damit gegen den Verlust unseres kulturellen Erbes.

Text: Dr. Renate Hücking im Februar 2019