Der Frankfurter Garten- und Landschaftsarchitekt Hans Dorn ist gestorben

Dorn1 kleinÜberall auf der Welt hat er Gärten geplant und sich Jahrzehnte lang in der UNESCO für den Erhalt historischer Anlagen engagiert. Der Frankfurter Hans Dorn war eine Größe in der internationalen Szene der Garten- und Landschaftsarchitekten. Bis ins hohe Alter arbeitete er noch selbst in seinem großen Garten. An Silvester, kurz nach seinem 90. Geburtstag, ist er gestorben.

Noch Mitte Oktober empfing er dutzende Gäste und Weggefährten in seinem Garten im hessischen Schlüchtern, den er seit Kindertagen angelegt und gepflegt hatte. Am Empfang samt Gottesdienst zu seinem 90. Geburtstag sprühte er wie immer vor

Energie und Enthusiasmus, den Kopf voller Pläne und Projekte. Eine große Gruppe unserer Gartengesellschaft war erst im Juli 2018 erneut zu Gast gewesen in seinem Garten und Elternhaus im Stadtteil Elm, das der Garten- und Landschaftsarchitekt all die Jahrzehnte als Wochenend-Domizil behalten hatte. Mehrmals im Monat pendelte Dr. Hans Dorn von seiner Frankfurter Stadtwohnung die rund 80 Kilometer in den Main-Kinzig-Kreis, weil er von seiner Leidenschaft für Wasserspiele, Sichtachsen und Staudenbeete auch privat nicht lassen konnte. Zwar hatte er gärtnerische Hilfe, doch viele Arbeiten übernahm er in dem fast 3000 Quadratmeter großen Garten immer noch selbst mit Akribie.

Rastlos bis ins hohe Alter

Dorn2 kleinSogar in die USA war Hans Dorn Monate zuvor gereist, hatte sich trotz seiner 90 Jahre keine Pause gegönnt. Sein Planungsbüro führte er weiter, nahm immer noch Projekte und Aufträge an. Den Ruhestand gab es für den kleinen, energiegeladenen Mann nicht, zu dessen liebenswürdigen Eigenarten ein verschmitztes Lachen und subtiler Humor ebenso zählte wie der Umstand, immer ein bisschen chaotisch und verspätet zu sein.

Hans Dorn gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Zweiges Rhein-Main unserer Gartengesellschaft. In der Mitgliederzeitschrift „Blätterrauschen“ war im Herbst 2017 noch ein großes Porträt über ihn, seine Arbeit und seinen Garten erschienen. Die Aufmerksamkeit schmeichelte ihm. Und sie war berechtigt. Hans Dorn war eine feste Größe in der Frankfurter und der internationalen Riege der Garten- und Landschaftsarchitekten.

Mit seiner Mutter hatte er schon als Kind im Garten gearbeitet. „Ich hatte immer schon Freude am Gärtnern“, erzählte er. Sein Vater war Möbelhersteller, die Eltern künstlerisch interessiert. Die vier Geschwister erlernten alle ein Instrument. Hans Dorn war begabt, er spielte Flöte, Geige, Klavier und studierte Gesang. „Ich hätte auch Musiker werden können“, berichtete er einmal. Oder Arzt. Während des Krieges half er in einem Krankenhaus aus, weil er sich auf sein Medizinstudium vorbereiten wollte. Ein Praktikum, das ihn von seinem Wunsch, Mediziner zu werden, jedoch schnell kurierte. Zum Glück – auch für unsere Gesellschaft – entschied er sich für das Gärtnern.

Eine internationale Karriere

1950 begann Hans Dorn eine Gärtnerlehre, 1951 ging sein Traum in Erfüllung, im schwedischen Stockholm an der Landbau-Hochschule angenommen zu werden. Gerade einmal 23 Jahre alt eröffnete sich ihm eine internationale, neue Welt, die so ganz anders war als die engstirnige Hitler- und Nachkriegszeit. Eineinhalb Jahre studierte er in Schweden, dann folgte er seiner Liebe – einer deutschen Botschaftsangestellten - nach Genf. Das Leben in Stockholm und der Schweiz war ein kurzes, prägendes Glück. Als seine große Liebe bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, kehrte Hans Dorn nach Deutschland zurück.

In Geisenheim vollendete er sein Studium und machte sich anschließend in Frankfurt als Garten- und Landschaftsplaner selbstständig. Das Interesse für die internationale Arbeit blieb. Schon 1957 schloss er sich der International Federation of Landscape Architects (IFLA) an, deren Mitglieder aus 80 Ländern kommen. 1983 wurde er deren Vizepräsident. Sein Engagement für den Gartendenkmalschutz führte ihn zur UNESCO, wo er als Komitee-Mitglied für die Auswahl der Weltkulturerbestätten zuständig war und als Chairmann für historische Gärten und Kulturlandschaften fungierte. „Eine großartige Arbeit“, schwärmt er stets.

Hans Dorn war überall auf der Welt: Er hat geholfen, die Kulturlandschaft mit ihrem einzigartigen Bewässerungssystem im spanischen Elche unter Schutz zu stellen. Für das Nationalmuseum der ägyptischen Zivilisationen inmitten der Pyramiden in Kairo plante er die Gartenanlagen. In Seoul schuf Dorn einen Erholungspark für Kinder, in Irland, den USA und der Provence zahlreiche Privatgärten. Der Park am Frankfurter Museum für Angewandte Kunst und Zweidrittel der Gärten am noblen Frankfurter Lerchesberg wurden von ihm und seinem Büro entworfen, das in Hochzeiten bis zu 15 Mitarbeiter beschäftigte. Sogar für Václav Havel, den ehemaligen Präsidenten der Tschechoslowakei, kreierte er einen privaten Garten.

Frankfurt statt Rio

Dorn3 kleinBefreundet war Hans Dorn mit Roberto Burle-Marx, dem deutsch-brasilianischen Gartenkünstler, dessen gesamtes Werk 2016 als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Der wollte den Frankfurter sogar in sein Architekturbüro nach Rio de Janeiro holen, doch die Liebe zum Main war stärker. Gut, denn in seiner Heimat machte er sich unter anderem für den Erhalt von Schloss Ramholz und dessen englischen Landschaftspark stark und als in Frankfurt das Rosengärtchen unweit seiner Stadtwohnung Schulcontainern geopfert werden sollte, organisierte er Widerstand und half bei einer alternativen Lösung.

Ein Leben ohne Pflanzen war für den 90jährigen Hans Dorn undenkbar. „Wenn ich noch einmal geboren würde, würde ich wieder Gärtner werden“, sagt er einmal. Hoffen wir, dass es so sein wird.

Astrid Ludwig