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Foto: Christa Brand

Exkursion ins Rosenheimer Land am 18. Juli 2019

Das Thema des Tages waren die dortigen Bäuerinnen-Gärten, denn es sind die Frauen, die die Bauerngärten dieser Region gestalten. 

Einige von ihnen haben sich zu den „Gartenbäuerinnen Rosenheim“ zusammengeschlossen und laden auf ihrer website (www.gartenbaeuerinnen-rosenheim.de) ein:

 

Zunächst ging es ins nördliche Chiemgau. In einem wunderschönen Chiemgauer Gehöft wurde unsere große Besucher-Gruppe von der hier seit Jahrzehnten tätigen Garten-Bäuerin auf das herzlichste begrüßt. Wir konnten spüren, dass Bauerngärten

viele ihrer Inspirationen und Vorbilder aus Klostergärten beziehen, denn der sog. Kalenderzaun, der das traditionelle Bauerngärtchen umfängt, hat sein Vorbild in den Klostergärten der Fraueninsel des Chiemsees. Ein 365–Latten–Zaun aus Fichtenholz, gebaut von Ehemann Franz, mit etwas erhöhten Sonntags-Latten und speziellen Markierungen für besondere Tage des Kalenders. Das eigentliche Gärtchen der Bäuerin bekommt Struktur und Gestalt durch ein Wegekreuz, das auf Grund überbordenden Pflanzenwachstums und Blütenreichtums jedoch kaum zu sehen war. Was für ein Kraftquell dieses kleine Garten-Juwel für ihre Besitzerin ist, das erschloss sich jedem von uns im Laufe unseres Besuches durch ihre beseelten und warmherzigen Erzählungen aus einem langen und erlebnisreichen Garten-Leben.

Im Mangfalltal liegt der nähste von uns an diesem Tag besuchte Hof. In einem landwirtschaftlichen Vollerwerbs-Betrieb werden hier nach strengen Demeter–Bio-Richtlinien 20 ha Fläche für Getreideanbau bewirtschaftet sowie mit 25 Kühen Milchwirtschaft betrieben. Wir bewunderten ein großes Staudenbeet mit üppig blühenden Sommerblumen, die wunderschönen alten Brunnentröge sowie umfangreiche Heil-und Kräuter-Pflanzungen nach Hildegard von Bingen, denen die besondere Leidenschaft der hier tätigen Bäuerin gilt. Besonders originell: Ein kreisrundes Gemüsebeet, mitten in der Wiese gelegen und wie ein Kuchen mit verschiedensten Salaten, Bohnen, diversen Kohlsorten, Blumen und Kräutern bepflanzt; die Gesundheit und hohe Qualität der Pflanzen waren augenfällig. Wir wurden von dieser erfahrenen Gärtnerin darin bestärkt, nie aufzuhören Versuche zu machen und ab und an auftretende Verluste als notwendige Erfahrungs-Werte zu akzeptieren.

Zum anschließenden Lunch ging es ins nahe gelegene „Wirtshaus zum Schweinsbräu“, dem Gasthof der legendären und erst kürzlich durch einen Besuch von Prince Charles geadelten Hermannsdorfer Landwerkstätten. Gut gestärkt, schloss sich eine ausgedehnte Führung durch diese mittlerweile für ihre auf dem Gebiet der ökologischen Landwirtschaft bahnbrechenden landwirtschaftlichen Errungenschaften international beachtete Vorzeige-Institution samt ihrer Garten-Anlagen an. Bodenschonender Ackerbau, artgerechte Nutztierhaltung, schonende Fleisch-Verarbeitung, qualitätsorientierte Lebensmittel-Produktion, in Hermannsdorf wurde und wird all dies erprobt und in einer Zeit entwickelt, als man anderswo mit diesen Begriffen noch wenig anfangen konnte. Wichtige Grundlagen und Erkenntnisse für biologisch produzierende Landwirte werden hier gewonnen, die gesamte „Branche“ profitiert davon. Visionen nicht als unerreichbare Luftschlösser, sondern konkret und praktisch umgesetzt, das wird in Hermannsdorf Tag für Tag verwirklicht.